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Autor
Ciriez, Frédéric; Lamy, Romain

Frantz Fanon

Untertitel
Graphic Novel. Aus dem Französischen von Michael Adrian
Beschreibung

„Diese Graphic Novel erzählt die Lebensgeschichte Frantz Fanons. Sie ist an seine Begegnung mit Jean-Paul Sartre angelehnt, die im August 1961 mit Simone de Beauvoir und Claude Lanzmann in Rom stattfand.“ So beginnt dieses Buch und beschreibt damit den Rahmen der folgenden 230 Seiten.

Frédéric Ciriez hat das Szenario geschrieben. Der französische Schriftsteller (Auf den Straßen von Paris) bemüht sich vor allem, die intensive Atmosphäre, die Dringlichkeit der intellektuellen Diskussion spürbar zu machen, die zwischen Lanzmann, de Beauvoir, Sartre und Fanon an diesem Wochenende in Rom geherrscht haben könnte.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Hamburger Edition, HIS, 2021
Format
Gebunden
Seiten
232 Seiten
ISBN/EAN
978-3-86854-352-0
Preis
25,00 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

Frédéric Ciriez ist Schriftsteller und hat in Frankreich zahlreiche Romane publiziert. Auf Deutsch erschien sein Roman Auf den Straßen von Paris, für den er 2014 mit dem deutsch-französischen Franz-Hessel-Preis ausgezeichnet wurde.

Romain Lamy ist ein französischer Journalist und Illustrator. Er unterrichtet an Kunsthochschulen und lebt in Paris.

Zum Buch:

„Diese Graphic Novel erzählt die Lebensgeschichte Frantz Fanons. Sie ist an seine Begegnung mit Jean-Paul Sartre angelehnt, die im August 1961 mit Simone de Beauvoir und Claude Lanzmann in Rom stattfand.“ So beginnt dieses Buch und beschreibt damit den Rahmen der folgenden 230 Seiten.

Frantz Fanon, „ein revolutionärer Psychiater“ (Sartre), Schriftsteller und Aktivist, wird hier einer Wiederentdeckung zugänglich gemacht. Fanon wird 1925 auf Martinique geboren und zu einem entscheidenden Theoretiker des Antikolonialismus. In den 50er Jahren arbeitet er vornehmlich in Nordafrika und sympathisiert stark mit der algerischen Befreiungsbewegung.

Der unmittelbare Kontext des Algerienkriegs mag aus dem Bewusstsein und in die Ferne gerückt sein. Die theoretische Radikalität des Psychiaters und Schriftstellers findet in vielen aktuellen Diskursen ihren Widerhall, beispielsweise in der aktuellen Debatte um afrikanische Kunst in europäischen Museen und ihre Rückgabe. Fanon wirkt über weite Strecken unversöhnlich. Seine Bewunderung für Sartre hindert ihn nicht daran, diesen scharf zu kritisieren und zum Kampf mit der Waffe an der Befreiungsfront aufzufordern.

Der Comic enthält wenig Handlungselemente. In Rückblenden erinnert sich Fanon an seine biografischen Stationen. Ansonsten begleiten wir die vier fortwährend diskutierenden Intellektuellen bei Spaziergängen durch ein sommerheißes Rom, besuchen mit ihnen Bars und. Interessant ist dabei die körperliche Inszenierung, vor allem von Sartre und Fanon. Beide leiden unter ihren Krankheiten, sind auf Medikamente angewiesen. Fanon wirkt ungeduldig und möchte jede Minute der Zeit nutzen. Wenige Monate nach dem Treffen in Rom stirbt er mit 36 Jahren.

Der Comicband versammelt eine Vielzahl von Hinweisen und Namen, die man im direkten Lesefluss vielleicht nicht immer adäquat verarbeiten kann, die aber denjenigen wichtige Anhaltspunkte geben, die neugierig geworden sind und sich weiter mit Fanon beschäftigen möchten.

Frédéric Ciriez hat das Szenario geschrieben. Der französische Schriftsteller (Auf den Straßen von Paris) bemüht sich vor allem, die intensive Atmosphäre, die Dringlichkeit der intellektuellen Diskussion spürbar zu machen, die zwischen Lanzmann, de Beauvoir, Sartre und Fanon an diesem Wochenende in Rom geherrscht haben könnte. Dabei war sich das Quartett in etlichen Fragen offensichtlich keineswegs einig, wie gerade bei Beauvoirs kurzen und präzisen Einwürfen anschaulich wird.

Jakob Hoffmann, Frankfurt a. M.