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Autor
Wagner, Jan Costin

Sommer bei Nacht

Untertitel
Roman
Beschreibung

An einem strahlenden Sommertag veranstaltet eine Grundschule in Wiesbaden einen Sommerflohmarkt. Auf einem der Tische bleibt ein großer grauer Teddybär zurück, verschwunden ist dafür ein fünfjähriger Junge. Einzige Spur auf der Suche nach Jannis ist das unscharfe Standbild eines Parkhausvideos, das den Jungen Hand in Hand mit einem Mann zeigt. Aber schon innerhalb der ersten 24 Stunden stoßen die Ermittler Ben Neven und Christian Sandner auf einen weiteren, nie aufgeklärten Vermisstenfall in Innsbruck.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Galiani Berlin, 2020
Format
Gebunden
Seiten
320 Seiten
ISBN/EAN
9783869712086
Preis
20,00 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

Jan Costin Wagner, Jahrgang 1972, lebt als Schriftsteller und Musiker bei Frankfurt am Main. Seine Romane um den finnischen Ermittler Kimmo Joentaa wurden von der Presse gefeiert, vielfach ausgezeichnet (u. a. Deutscher Krimipreis, Nominierung zum Los Angeles Times Book Prize) und in 14 Sprachen übersetzt. Zuletzt erschien Sakari lernt, durch Wände zu gehen (2017).

Zum Buch:

An einem strahlenden Sommertag veranstaltet eine Grundschule in Wiesbaden einen Sommerflohmarkt. Auf einem der Tische bleibt ein großer grauer Teddybär zurück, verschwunden ist dafür ein fünfjähriger Junge. Einzige Spur auf der Suche nach Jannis ist das unscharfe Standbild eines Parkhausvideos, das den Jungen Hand in Hand mit einem Mann zeigt. Aber schon innerhalb der ersten 24 Stunden stoßen die Ermittler Ben Neven und Christian Sandner auf einen weiteren, nie aufgeklärten Vermisstenfall in Innsbruck.

Der siebenjährige Dawit Gebreselassie aus Eritrea war vor anderthalb Jahren im Frühjahr von einem Volksfest verschwunden. Zurück blieb – auch hier – ein Teddy. Dem die Innsbrucker Ermittler aber keine Bedeutung beimaßen, weil man unausgesprochen von einer Inszenierung ausging: Mit dem Verschwinden des Jungen war der Aufenthalt der Familie in Europa sichergestellt. Auf dem archivierten Foto lacht der schwarze siebenjährige Dawit in die Kamera.

Wer Jan Costin Wagner kennt, weiß, dass seine Kriminalromane gegen den Strich gebürstet sind. Schwarz und weiß, so einfach ist es nicht. Nicht in der Welt, nicht in Wagners Krimis, auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht noch so aussehen mag. Auch die Ermittler in Jannis Entführung tragen Geheimnisse mit sich herum, die diesen Fall ganz speziell zu ihrem Fall machen. Und obwohl sie jedem Hinweis nachgehen und dem Entführer ganz nahekommen, ist es letztendlich ein Zufall, der sie zur Lösung führt. Der Blick des Erzählers folgt dabei den beiden Männern auf jedem Schritt, der sie weiterbringt. Er folgt aber auch dem Entführer und seinem Komplizen, der den entscheidenden Fehler macht, ohne sich dessen überhaupt bewusst sein zu können.

Es sind die Bilder, die Wagner mit wenigen, präzisen, oft poetischen Worten zeichnet, die das Unerträgliche erträglich machen und das Alltägliche in seiner Grausamkeit entlarven. Diese Doppelung der Aussagen, Bilder, die in dem Übergang zwischen schwarz und weiß neue, andere Bilder evozieren, sie zeigen Jan Costin Wagners Sprachkunst – vom Feinsten!

Susanne Rikl, München