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Autor
Mafi, Tahereh

Wie du mich siehst

Untertitel
Aus dem Englischen von Katarina Ganslandt
Beschreibung

Wenn man unzählige Male und allein innerhalb der letzten drei Jahre dreimal Stadt, Wohnung und Schule gewechselt hat, ist man Profi darin, keine tiefer gehenden Kontakte zu knüpfen und sich schon gar keine Freunde zu suchen, von denen man sich dann ohnehin wieder trennen müsste.

Die in den USA lebende Autorin Tahereh Mafi verarbeitet in Wie Du mich siehst aufrüttelnde Erlebnisse ihrer eigenen Biografie. Herausgekommen ist ein mitreißendes Jugendbuch, das scheinbare Selbstverständlichkeiten in Frage stellt und wach macht für die gegenseitigen Ressentiments zwischen „uns“ und „den anderen“.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
FISCHER Sauerländer, 2019
Format
Gebunden
Seiten
352 Seiten
ISBN/EAN
978-3-7373-5696-1
Preis
16,00 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

Tahereh Mafi wurde 1988 in einer Kleinstadt in Connecticut, USA, geboren. Sie ist iranischer Abstammung und die Jüngste von fünf Geschwistern neben vier älteren Brüdern. Ihr Debütroman ›Shatter Me‹ (dt.: ›Ich fürchte mich nicht‹), der erste Band einer Trilogie, ist 2011 in den USA erschienen, wurde in über 30 Sprachen übersetzt und stand auf den Bestsellerlisten der New York Times und der USA Today. Mafi ist mit dem Filmemacher und Schriftsteller Ransom Riggs verheiratet und lebt mit ihrer Familie in Santa Monica, Kalifornien.

Zum Buch:

Wenn man unzählige Male und allein innerhalb der letzten drei Jahre dreimal Stadt, Wohnung und Schule gewechselt hat, ist man Profi darin, keine tiefer gehenden Kontakte zu knüpfen und sich schon gar keine Freunde zu suchen, von denen man sich dann ohnehin wieder trennen müsste.

Dass Shirin unter ihrem Kopftuch sogar im Unterricht oft Kopfhörer trägt und in ihrer eigenen Welt lebt, ahnen weder die Lehrer an der neuen Highschool noch ihre MitschülerInnen, die außer dummen oder im schlechtesten Fall verletzenden Kommentaren wenig für sie übrig zu haben scheinen. Auch ihre Eltern haben keine Ahnung, was in ihrer Tochter vorgeht, Hauptsache die Noten sind gut. Shirin weiß, dass ihr in dieser Hinsicht alles leicht fällt, weil ihre Zeugnisse ihr selbst nichts bedeuten. Nur ihr großer Bruder Navid kriegt mit, dass Shirin im Gegensatz zu ihm keine FreundInnen und auch sonst keine Kontakte hat. Er kommt überall gut an, und seine iranischen Gesichtszüge machen ihn für seine MitschülerInnen nur attraktiv und interessant. Warum Shirin eigentlich ein Kopftuch trägt, fragt sie keiner. Sie tut es jedenfalls nicht aus religiösen Gründen, sondern weil sie sich darunter behütet fühlt, geschützt vor den feindlichen Blicken der anderen. Seit 9/11 hatte sich vieles verändert. Früher war sie einfach nur die Fremde in der Klasse, seit den Anschlägen aber ist sie der „Feind“. Kopftuch = Islam = Terrorismus, diese und andere Vorurteile hat sie auszuhalten gelernt. Glaubt sie zumindest.

Bis sich Ocean in Biologie neben sie setzt und sie gemeinsam über mehrere Wochen Projektpartner beim Sezieren einer toten Katze sind. Ocean ist gutaussehend, beliebt und nett. So freundlich und scheinbar an ihr interessiert, dass sie es einfach nicht glauben kann. Shirin schmettert Oceans manchmal naive Fragen nach ihren Eltern, nach persischem Essen und ihrer Kopfbedeckung ab und bleibt so unnahbar, wie es ihr nur möglich ist. Bis ihr Schutzwall eben doch zu bröckeln und sie sich wie ein ganz normaler Teenager zu verlieben beginnt.

Dass Ocean nicht einfach nur ein netter, beliebter Typ, sondern eine Art Star an der Schule und sogar im ganzen Ort ist, kriegt Shirin in ihrem Kokon allerdings gar nicht mit. Dass es den meisten ein ziemlicher Dorn im Auge ist, dass Ocean mit einem „Kopftuchmädchen“ anbändelt, bekommt sie allerdings bald hautnah zu spüren.

Sie flüchtet sich in ihre andere Leidenschaft: in die Welt des Breakdance der 80er Jahre. Navid gründet mit Freunden eine Breakdance AG, trainiert mehrmals die Woche, nimmt seine Schwester mit auf und fördert ihr Talent und ihren Ehrgeiz in diesem herausfordernden Sport, in dem Können und Perfektion zählen, nicht Aussehen oder Herkunft. Ohne die anderen zu fragen, meldet Navid die gemeinsame AG zu einem schulischen Talentwettbewerb an, dessen Ausgang besonders für Shirin alles verändern wird!

Die in den USA lebende Autorin Tahereh Mafi verarbeitet in Wie Du mich siehst aufrüttelnde Erlebnisse ihrer eigenen Biografie. Herausgekommen ist ein mitreißendes Jugendbuch, das scheinbare Selbstverständlichkeiten in Frage stellt und wach macht für die gegenseitigen Ressentiments zwischen „uns“ und „den anderen“. Und auch wenn die Geschichte von Shirin und Ocean in einer US-amerikanischen Kleinstadt spielt, sind die Themen Rassismus, Mobbing und Vorurteile so universell, dass sie an jeder deutschen Schule genauso hätte stattfinden können.

Larissa Siebicke, autorenbuchhandlung marx & co, Frankfurt