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Autor
Jacobsen, Siri Ranva Hjelm

Meeresbriefe. Aus dem Dänischen von Franziska Hüther

Untertitel
Beschreibung

Die 1980 geborene dänische Schriftstellerin und Übersetzerin Siri Ranva Hjelm Jacobsen hat für uns auf poetische Weise die Perspektive gewechselt: die Meere schauen auf die Menschheit und ihre Zerstörung der Erde. Die große Schwester Atlantik und ihre kleine Schwester Mittelmeer tauschen Briefe über den Zustand der Welt aus, über ihr Getrenntsein durch Landmassen, über brennende Bäume an ihren Ufern. Der schmale, im März-Verlag erschienene Band Meeresbriefe ist ein traurig-schöner Aufruf und Abgesang, eine Erinnerung daran, dass alles mit allem zusammen hängt auf diesem faszinierend blauen Planeten, der unter uns Menschen ächzt.

(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
März Verlag, 2026
Format
Gebunden
Seiten
64 Seiten
ISBN/EAN
9783755000648
Preis
18,00 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

Siri Ranva Hjelm Jacobsen, geboren 1980, ist eine dänische Schriftstellerin und Literaturkritikerin. Sie lebt in Kopenhagen. Ihre Familie stammt von den Färöern, einer Inselgruppe im Nordatlantik, die zur dänischen Reichsgemeinschaft gehört. Zuletzt erschien ihr Roman ›Insel‹ bei MÄRZ.

Franziska Hüther, geboren 1988, studierte Skandinavistik und Germanistik in Frankfurt und Reykjavík. Nach längerem Aufenthalt in Skandinavien ist sie seit 2017 als Übersetzerin aus dem Dänischen, Schwedischen und Norwegischen sowie als Dozentin für literarisches Übersetzen tätig. 2021 wurde sie mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Sie lebt in Mühltal im Odenwald.

Zum Buch:

Während die Oberfläche der heutigen Erde zu etwa 70 Prozent mit Wasser bedeckt ist, weisen Forschungen darauf hin, dass unser Planet vor etwa 3 Milliarden Jahren eine echte Ozeanwelt war. In den Meeresbriefen schreiben sich die große Schwester Atlantik und ihre kleine Schwester Mittelmeer Briefe über den Zustand der Welt, über ihr Getrenntsein durch Landmassen, über brennende Bäume an ihren Ufern. Der Mensch – in ihrer Korrespondenz (in der Übersetzung aus dem Dänischen von Franziska Hüther) als „Geziefer“ bezeichnet – erscheint zwar lästig und zerstörerisch, letztlich aber nur als schemenhafte Kulisse, vor der sich in der Zukunft die Wiedervereinigung der Schwestern vollziehen wird. Schwester Atlantik schreibt „Was die Jahreszeiten betrifft, so habe ich kein rechtes Verhältnis zu ihnen. Mein Augenmerk liegt auf der Nacht. (…) Ich träume von der Spiegelkugel, zu der die Erde werden wird, wenn wir uns wieder begegnen.“

Die 1980 geborene dänische Schriftstellerin und Übersetzerin Siri Ranva Hjelm Jacobsen hat für uns auf poetische Weise die Perspektive gewechselt: die Meere schauen auf die Menschheit und deren Zerstörung der Erde. Der Ton der Schwestern liest sich dabei ganz unterschiedlich: mal lakonisch, mal zynisch, mal ungeduldig, mal traurig, große und kleine Schwester mit verschiedenen Erinnerungen an das, was mal war. In den Briefen der beiden tauchen auch Dädalus und Ikarus auf, verweisen auf ein tragisches Schicksal als einer zeitlosen Lektion über Selbstüberschätzung und Übermut.

Meeresbriefe ist ein mit organisch anmutenden Bildern der Künstlerin Dorte Naomi illustrierter Aufruf und Abgesang, eine Erinnerung daran, dass alles mit allem zusammen hängt auf unserem blauen Planeten. Der Klimawandel wird – wenn wir Menschen ihm nicht endlich mit allem, was wir haben, entgegensteuern – dem Geziefer ein Ende bereiten. Der Honig, der die Federn unserer Flügel zusammenhält, wird unter der Sonne schmelzen wie schon bei Ikarus.

Larissa Siebicke, autorenbuchhandlung marx & co, Frankfurt