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Autor
Mesa, Sara

Quasi

Untertitel
Roman. Aus dem Spanischen von Peter Kultzen
Beschreibung

Sie hat sich ein Versteck im Park gesucht. Von den dichtbelaubten Ästen eines Baumes, die fast den Boden berühren, glaubt sie sich Tag für Tag beschützt, als plötzlich ein alter Mann vor ihr steht. Sie ist 13, quasi 14. Quasi, so wird der Alte das Mädchen von jetzt an nennen. Sara Mesa choreographiert in dieser Geschichte meisterhaft mehrere Akte einer Beziehung, die geprägt sind von Annäherung und Abstoßung, Suche nach dem Richtigen und der Last der Ungewissheit.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Wagenbach Verlag, 2020
Format
Gebunden
Seiten
144 Seiten
ISBN/EAN
978-3-8031-3321-2
Preis
18,00 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

Sara Mesa, 1976 in Sevilla geboren, wo sie bis heute lebt. Sie hat mehrere preisgekrönte Romane und Erzählungen sowie Essays geschrieben, die sie zum Shooting Star der spanischen Gegenwartsliteratur machten. Ihr vierter Roman »Quasi« schaffte es 2018 auf alle Bestenlisten in Spanien, innerhalb kürzester Zeit wurden die Übersetzungsrechte in ein Dutzend Länder, darunter die USA, verkauft.

Zum Buch:

Sie hat sich ein Versteck im Park gesucht. Von den dichtbelaubten Ästen eines Baumes, die fast den Boden berühren, glaubt sie sich Tag für Tag beschützt, als plötzlich ein alter Mann vor ihr steht. Sie ist 13, quasi 14. Quasi, so wird der Alte das Mädchen von jetzt an nennen. Sara Mesa choreographiert in dieser Geschichte meisterhaft mehrere Akte einer Beziehung, die geprägt sind von Annäherung und Abstoßung, Suche nach dem Richtigen und der Last der Ungewissheit.

Was will er von ihr? Warum kommt der Alte jetzt jeden Tag? Wann wird er sie fragen, warum sie nicht in der Schule ist? Das Mädchen ist misstrauisch, fühlt sich entdeckt und bedrängt. Sie hat die Einsamkeit im Park ganz bewusst gesucht, Vorkehrungen getroffen, damit ihr Fernbleiben von der Schule im Oktober nicht allzu bald aufgedeckt wird.
Der Alte fragt nicht. Er schwärmt von der Musik Nina Simones und erzählt ihr mit der Begeisterung eines Kindes, welche Vögel in diesem Park zu Hause sind. Halsbandsittiche, Wiedehopfe, Türkentauben – sind sie ihr schon einmal aufgefallen? Weiß sie, wie unterschiedlich die Gesänge dieser Vögel klingen?

Als das Mädchen zu sprechen beginnt, erzählt sie Geschichten, die aus einem Film stammen könnten, mit ihrem Leben aber nichts zu tun haben: von der Mutter, die Schauspielerin ist, und dem Vater, einem überaus angesehenen Arzt; von den feinsinnigen und extravaganten Freunden der Eltern, die im Haus ein und ausgehen.

Nach und nach wird dem Mädchen das Erfinden der Geschichten zu anstrengend, und sie wird zu der Mittelschichts-Quasi, die sie ist. Zu dem unbeholfenen, wütenden, manchmal verzogenen Mädchen, das sich unverstanden fühlt und dem keiner zuhört, außer dieser alte Mann, der niemals lügt.

Es wird kühl im Park, Quasi ist klar, dass etwas geschehen muss, dass die Erlösung von der Schule und die Folge der Begegnungen ein Ende haben wird. Unbewusst, aber unaufhaltsam verstrickt sie sich und den Alten in eine Geschichte, die plötzlich Wahrheit zu werden droht. In Spanien hat dieser Roman 2018 auf allen Bestsellerlisten gestanden, auf Deutsch ist es die erste Veröffentlichung der Autorin.

Susanne Rikl, München